Angela Kolb-Janssen, MdL
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Warum brauchen wir eine Frauenquote?

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland stellt in Artikel 3 Absatz 2 fest, „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“. Von der Politik wir gefordert, Gleichberechtigung durchzusetzen, d.h. Frauen, dort wo sie benachteiligt sind, zu fördern.

Die Wirklichkeit sieht leider immer noch anders aus. Obwohl Mädchen die besseren Schulabschlüsse machen und mittlerweile in vielen Studiengängen mehr Frauen studieren als Männer, bleibt ihnen der Weg in die Top-Etagen der deutschen Wirtschaft versperrt. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist in Deutschland nach wie vor niedriger als in anderen europäischen Ländern. Nur 6 Prozent der Vorstände der 200 umsatzstärksten Unternehmen waren Ende 2015 Frauen. Die Aufsichtsräte waren zu 20 Prozent mit Frauen besetzt.

Die Beispiele anderer europäischer Staaten, die schon seit Jahren ein Quotengesetz haben, zeigen einen deutlich höheren Anteil von Frauen Führungspositionen. In Norwegen, Island, Spanien und Frankreich sind es 40 Prozent. In den Niederlanden, Belgien und Italien 30 Prozent.

Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft haben bereits 2001 eine freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichnet. An der Unterrepräsentanz von Frauen in den Führungsetagen hat sich trotzdem nichts geändert. Kaum ein Unternehmen hat auf freiwilliger Basis den Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöht.

Welche Führungspositionen sind gemeint?

Seit dem 1. Januar 2016 schreibt das „Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ vom 24. April 2015 eine verbindliche Quote für große Unternehmen vor.

Die feste Geschlechterquote von 30 Prozent gilt für neu zu besetzende Aufsichtsratsmandate in börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen. Das betrifft derzeit 108 Unternehmen in Deutschland. Weitere 3500 Unternehmen sind verpflichtet, sich eigene Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Management-Ebenen zu setzen. Die 30 Prozent-Quote gilt auch für die Besetzung von Aufsichtsgremien der Bundesunternehmen.

Warum ist der Anteil an Frauen in den Chefetagen so gering?

Die Ursachen für den niedrigen Anteil von Frauen in Spitzenfunktionen sind vielschichtig und lassen sich nicht immer eindeutig feststellen. Das Phänomen wird deshalb auch als „gläserne Decke“ bezeichnet. Als Grund hierfür wird immer wieder das höhere Engagement von Frauen für die Familie und die Erziehung der Kinder angeführt. Tatsächlich herrscht in den meisten großen Unternehmen eine männlich dominierte Präsenzkultur, die Frauen benachteiligt. Dennoch schaffen es auch Frauen, die sich bewusst gegen Kinder und für Karriere entschieden haben oft nicht. Da Auswahlgremien meist ausschließlich mit Männern besetzt sind, werden entweder erst gar keine Frauen in die engere Wahl gezogen, oder man(n) entscheidet sich dann doch für den männlichen Bewerber. Studien belegen, dass einer bestimmten Anzahl von Frauen in einem Unternehmen bedarf („kritische Masse“), um diese strukturellen Barrieren aufzubrechen.

Wie wirkt die Quote?

Die Quote wirkt! FidAR – das ist der Verein „Frauen in die Aufsichtsräte“ – hat für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein Stimmungsbarometer erstellt. Die Ergebnisse sind positiv. Viele der befragten Unternehmen erhoffen sich durch die Festlegung von Zielgrößen attraktiver für Bewerberinnen zu werden und eine noch größere Beteiligung von Frauen auf allen Unternehmensebenen. Insgesamt ist festzustellen, dass die Erhöhung des Frauenanteils Frauen sichtbarer macht.

Wie sieht die Position der SPD aus?

Die SPD- Bundestagsfraktion hat schon am 9. März 2012 einen Antrag zur „Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern“ in den Bundestag eingebracht und die Bundesregierung aufgefordert, einen Gesetzentwurf mit einer eindeutigen Quotenregelung vorzulegen. Gefordert wurde die Einführung einer gesetzlichen Quotenregelung von 40 Prozent für Aktiengesellschaften und mitbestimmungspflichtige Unternehmen bis zum Jahr 2015. Wegen des Widerstandes der CDU und der ablehnenden Haltung der Bundeskanzlerin hatte dieser Vorstoß keinen Erfolg.

Die SPD hat deshalb in den Koalitionsverhandlungen 2013 zur Bildung der Großen Koalition durchgesetzt, dass eine gesetzliche Frauenquote eingeführt wird. Dies war die Voraussetzung dafür, dass nach jahrzehntelangen Diskussionen am 24. April 2015 das das „Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ verabschiedet werden konnte.

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